Kategorie: Arbeitssicherheit

Zum Tag des Schlafes: „Schlafen all around the clock – Schlaf und Schichtarbeit“

Anlässlich des „Tags des Schlafes“, hat sich unser freier Mitarbeiter Dr. Hans-Günter Weeß, Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin, Gedanken um Thema „Schlaf und Schichtarbeit“ gemacht. Nachfolgend finden Sie einige Auszüge, die vollständige Pressemitteilung der DGSM können sie hier als PDF-Datei herunterladen.

Tag des Schlafes

Wer schläft, so die gängige Vorstellung, der arbeitet nicht, ist nicht wettbewerbsfähig. Denn die Konkurrenz schläft bekanntlich auch nicht. Maschinen sind in der Lage, rund um die Uhr zu arbeiten. Nur der Mensch zeigt vermeintliche Schwächen und braucht Schlaf. Frühschicht, Spätschicht, Nachtschicht. Die einen schlafen, die anderen bauen Autos am Fließband, schieben Dienst im Krankenhaus, fahren Taxi oder sorgen für die öffentliche Sicherheit.

Wir leben in einer 24 Stunden Non-Stopp Gesellschaft. Schichtarbeit ist auf dem Vormarsch. Derzeit arbeitet jeder sechste in Schicht oder schichtnahen Diensten. Tendenz steigend. Viele Studien legen die Vermutung nahe, dass der Schlaf im Drei-Schicht-System häufiger gestört ist als bei reiner Tagschicht. Nach einer aktuellen Studie der Techniker Krankenkasse leiden 40 Prozent aller Schichtarbeiter an schlechtem Schlaf. Dabei hat jede Schicht ihre spezifischen Auswirkungen auf den Schlaf.

Nach Nachtschichten ist die Schlafdauer am geringsten, zeigt mehr Unterbrechungen und weniger Tiefschlaf. Spätschichten sind bei den Mitarbeitern nicht sehr beliebt, da gearbeitet wird, wenn sich die Familie trifft und die Freunde ihren Hobbies nachgehen. Trotzdem entspricht das Schlaf-Wach-Muster bei Spätschichten bei vielen deren natürlichen Rhythmus. In der Folge ist der Schlaf oft am längsten und erholsamsten. Der Schlaf bei Frühschichten ist oft zu kurz. Viele haben Angst zu verschlafen und richten Ihren inneren Blick angespannt die ganze Nacht auf den Wecker. Die Folge ist oberflächlicher und weniger erholsamer Schlaf.

Kontinuierliche Schichten könnten gegenüber dem Wechsel in Dreischicht-Betrieben einen gewissen Vorteil bieten. Studien legen bei Dauernachtschicht oder Dauerspätschicht gegenüber der Tagschicht keine reduzierte Schlafmenge nahe. Insgesamt scheinen langsam rotierende Schichten zu einem längeren Schlaf zu führen als kurzrotierende Schichten. Nachteil ist aber, dass bei langsameren Schichtwechseln eher körperliche Adaptationsprozesse stattfinden, was für den Organismus belastender sein könnte. Grundsätzlich sind vorwärtsrotierende Schichten vorzuziehen. Sie weisen eine längere Schlafdauer auf. Bei rückwärtsrotierenden Schichten sind die dazwischenliegenden Pausen für ausreichend Schlaf, insbesondere bei Frauen die noch familiäre Verpflichtungen haben, häufig verkürzt.

Welche Faktoren beeinflussen die Schichtfähigkeit? Die Arbeitsorganisation, wie z.B. die Gestaltung flexibler Arbeitszeiten und eigenständiges und abwechslungsreiches Arbeiten haben einen positiven Einfluss auf die Schichtakzeptanz. Studien belegen keine eindeutigen Geschlechtseffekte, aber Männer könnten eine etwas höhere Schichttoleranz aufweisen als Frauen. Jüngere scheinen mit Schichtarbeit ebenfalls besser zurecht zu kommen. Mit zunehmendem Alter steigt der Schlafmittelkonsum und die Anzahl der Frühberentungen. Nachtschichten sind bei älteren Mitarbeitern trotz bester Bezahlung unbeliebter.

Der Chronotyp, ob Früh- oder Spätaufsteher, hat einen Einfluss auf die Schlaffähigkeit des Schichtarbeiters. Frühtypen schlafen bei Frühschichten bis zu einer Stunde länger und sind ausgeschlafener als Spättypen. Nach Nachtschichten haben hingegen Spättypen, was die Schlafdauer angeht, die Nase vorn. Sie schlafen länger als Frühtypen.

Neue Studien zeigen vielversprechende Lösungsansätze für den Schlaf der Schichtarbeiter: Verhaltensinterventionen und Präventionsprogramme im Rahmen der betrieblichen Gesundheitsprävention zeigen bei Schichtmitarbeitern mit Tagesschläfrigkeit, Schlafmangel und Schlafstörungen positive Effekte auf den Schlaf, die Wachheit und die Schichtakzeptanz.

Zum Tag des Schlafes: „Schlaf, ein bedeutsamer Wirtschaftsfaktor“

Anlässlich des „Tags des Schlafes“, hat sich unser freier Mitarbeiter Dr. Hans-Günter Weeß, Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin, Gedanken um Thema „Schlaf als bedeutsamer Wirtschafstfaktor“ gemacht. Nachfolgend finden Sie einige Auszüge, die vollständige Pressemitteilung der DGSM können sie hier als PDF-Datei herunterladen.

Tag des Schlafes

Für ein wirtschaftlich erfolgreiches Deutschland sind ausgeschlafene Mitarbeiter die Voraussetzung. Wer nicht ausreichend schläft hat ebenso ein erhöhtes Risiko für Unfälle am Arbeitsplatz und im Straßenverkehr. Gesunder Schlaf fördert aber nicht nur das Leistungsvermögen und die Produktivität am Arbeitsplatz, sondern auch die Gesundheit: Schlafmangel und Schlafstörungen erhöhen das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Stoffwechselerkrankungen und psychische Störungen, häufige Ursachen für Frühberentungen. Darüber hinaus wird bei chronischen Schlafstörungen ein erhöhtes Demenzrisiko vermutet.

Schlafstörungen sind in Deutschland immer weiter auf dem Vormarsch. Nach einer vor kurzem veröffentlichen Studie der DAK klagen mehr als 80% der Erwerbstätigen zwischen 35 und 65 Lebensjahren über Schlafprobleme. Überdurchschnittlich hoch ist der Anteil der Schlecht-Schläfer unter den Berufstätigen mit unregelmäßigen Arbeitszeiten und bei Schichtarbeit, so eine aktuelle Studie der Techniker Krankenkasse. 40 Prozent der Befragten im Schichtdienst beklagten eine schlechte Schlafqualität und immerhin die Hälfte davon hat weniger als 5 Stunden Schlaf. Besonders bei Früh und Nachtschichten ist der Schlaf zu stark verkürzt und hat negative Auswirkungen auf die Produktivität am Arbeitsplatz. 6% der Bundesdeutschen leiden gar an behandlungsbedürftigen Schlafstörungen. Je nach Studie können zwischen 1,1 und 1,9 Millionen Bundesdeutsche nicht mehr ohne Schlafmittel schlafen, sind an diese gewöhnt. Eine Abhängigkeit auf Rezept.

Die medizinische Versorgung von Menschen mit Schlafstörungen ist laut dem Vorsitzenden der DGSM, Alfred Wiater stark verbesserungsbedürftig. Wartezeiten von bis zu einem Jahr auf einen spezialisierten schlafmedizinischen Behandlungsplatz im Schlaflabor sind in Deutschland keine Seltenheit. Die schlafmedizinische Ausbildung wird in vielen Medizinberufen noch stiefmütterlich behandelt, was sich in der hohen Chronifizierungsneigung von Schlafstörungen ausdrückt. Rund 50 Prozent der Betroffenen leiden länger als drei Jahre, 25 Prozent sogar länger als zehn Jahre an einer Schlafstörung, so Hans-Günter Weeß, Vorstandsmitglied der DGSM.

Schätzungen gehen von einem Produktivitätsausfall für die deutsche Wirtschaft durch Schlafstörungen infolge Absentismus und Präsentismus am Arbeitsplatz von bis zu 1,6 Prozent des Bruttosozialproduktes aus. Internationale Studien lassen eine doppelt so hohe Rate an Arbeitsunfähigkeiten bei Mitarbeitern mit Schlafstörungen im Vergleich zu ihren ausgeschlafenen Kollegen vermuten. Nach der im Jahr 2016 veröffentlichen Rand-Studie, die für fünf OECD Staaten durchgeführt wurde, gehen der deutschen Wirtschaft jährlich ca. 60 Milliarden Euro durch Produktivitätsausfall und ca. 210.000 Fehltage am Arbeitsplatz infolge Schlafstörungen verloren.

Ebenso verlangt die Arbeitssicherheit ausgeschlafene Mitarbeiter. Laut Maritta Orth, Vorstandsmitglied der DGSM, haben Mitarbeiter mit nächtlichem Schnarchen und Tageschläfrigkeit ein 2,2fach höheres Risiko für Arbeitsunfälle. 66 Prozent der Arbeitnehmer, die schläfrig sind und auch Atemaussetzer im Schlaf haben geben an Schwierigkeiten zu haben, Ihre Arbeit zu verrichten, so Orth. 10.1 Prozent, die seit mindestens 12 Monaten an Schlafmangel leiden, geben an mindestens einen schläfrigkeitsbedingten Arbeitsunfall gehabt zu haben.

Nicht nur moderne internationale Unternehmen wie Google oder Facebook, sondern auch zunehmend viele deutsche Unternehmen haben die gesundheitsförderliche und leistungssteigernde Wirkung eines gesunden Schlafes erkannt. Sie bieten ihren Mitarbeitern im Rahmen der betrieblichen Prävention Gesundheitsangebote zur Förderung des Schlafes an.

Tag der Arbeitssicherheit 2018: 3 Erfolgsfaktoren für eine verantwortungsvolle Sicherheitskultur

Der Einfluss des menschlichen Verhaltens auf die Unfallstatistik eines Unternehmens ist unbestritten, wie man es zum Positiven beeinflussen kann, ist dagegen für viele Führungskräfte der schwierige Part im Job. Noch mehr Kontrolle, Vorgaben und Regeln führen leider oft nicht zum gewünschten Ziel des „idealen Mitarbeiters“, der mitdenkt, für sich und andere verantwortungsvoll handelt und aus tieferer Einsicht alle Sicherheitsvorschriften beachtet.

Unser Tipp: berücksichtigen Sie die drei sogenannten „psychologischen Grundhunger“ des Menschen und schaffen Sie damit eine konstruktive und zielorientierte Sicherheitskultur. Diese psychologischen Grundbedürfnisse nach Eric Berne werden griffig als „3 S“ zusammengefasst – Stimulation, Struktur, „Streicheleinheiten“/ Anerkennung. In Bezug auf Arbeitssicherheit bedeutet das konkret:

  • Schaffen Sie Stimulation und Anregung, indem Sie regelmäßig und immer wieder neue Impulse zum Thema Arbeitssicherheit in Ihr Team tragen. Das können Gespräche sein, aber auch eindrückliche Filme oder Erläuterungen zu Unfällen, die passiert sind, neue Aufgaben, die anstehen und die unter dem Aspekt Sicherheit besprochen werden und ähnliches. Das hält das Thema in der Aufmerksamkeit hoch, Sie zeigen, dass es Ihnen wichtig ist. Achten Sie aber stets darauf, dass bei solchen Runden niemand, der sich etwa unsicher verhalten hat, vorgeführt wird, sondern fragen Sie nach und richten Sie den Blick auf Lösungsvorschläge, erwägen Sie diese ernsthaft und begründen Sie, wenn Sie sich für ein anderes Vorgehen entscheiden. Nehmen Sie alle Beiträge ernst.
  • Es braucht immer wieder Anlässe und feste Termine, bei denen sich das Team mit dem Thema Arbeitssicherheit beschäftigt. Auch in der Art, wie Sie Klarheit und Orientierung durch verbindliche Regeln schaffen und konsequent und zeitnah auf Regelverstöße reagieren, schaffen Sie Struktur. Kennt jeder die Regeln? Wird unsicheres Verhalten angesprochen? Wichtig: seien Sie als Führungskraft Vorbild im Verhalten und ändern auch Sie etwas, wenn Sie auf unsicheres Verhalten aufmerksam gemacht werden. Bedanken Sie sich für Feedback.
  • „Nit g‘schimpft isch g‘lobt g’nug” – diese schwäbische Weisheit sollten Sie aus dem Zitatenschatz verbannen, denn das Gegenteil stimmt. Der Wunsch nach Anerkennung und Gesehen-werden ist zutiefst menschlich. Hier ist nicht nur das explizite Aussprechen eines Lobes gemeint: seien Sie ein Spiegel, in dem alle sehen, dass ihr Arbeitssicherheitsverhalten wahrgenommen wird. Erwähnen Sie immer wieder sicheres Verhalten, zeigen Sie sich begeistert, wenn sich jemand besonders engagiert, kümmern Sie sich um Anliegen und Ideen der Mitarbeiter. Ist deren Umsetzung mal nicht zeitnah möglich, geben Sie Rückmeldungen zum Zwischenstand. Behalten Sie den Umgang untereinander im Blick, lassen Sie nicht zu, dass jemand für Fehler oder für das Ansprechen von Kollegen bei unsicherem Verhalten ausgelacht oder vorgeführt wird.

Klingt schwierig? Ist es auch, denn es gilt, den Kampf gegen alte Gewohnheiten aufzunehmen. Die Belohnung stellt sich aber allmählich ein, in Form einer guten Lernkultur, in der die Teppiche ausgedient haben, unter die früher die Fehler gekehrt wurden.

Buchtipp: Führung und Zusammenarbeit in Managementsystemen

Führung und Zusammenarbeit in Managementsystemen

Herzlichen Glückwunsch an unsere langjährige Kollegin Susanne Petersen zum Erscheinen ihres ersten Buches „Führung und Zusammenarbeit in Managementsystemen: Der Faktor Mensch in der ISO 9001, ISO 14001 und OHSAS 18001“! Hut ab vor der Leistung, das große Feld der Managementsysteme mit systemischem Denken zu verknüpfen. Ein absolut lesenswerter Überblick mit vielen Praxisbeispielen dazu, wo die (zwischen-)menschlichen Fußangeln beim Ein- und Durchführen von Arbeitssicherheit, Qualität oder Umweltschutz liegen. Angereichert ist das Buch mit Cartoons von unserer Zeichnerin Iris Zerger.

Impressionen von der Préventica in Lille

Einige Impressionen von der französischen Arbeitsschutz-Messe Préventica in Lille, auf der t&t Beraterin Astrid Selbach vom 7. bis 9. Juni 2016 einem interessierten Publikum unseren Prozess zur Einstellungs- und Verhaltensänderung in der Arbeitssicherheit (EVprocess®A) vorgestellt hat.

An jedem der drei Messetage stellte ich unser Produkt in einem halbstündigen „Atelier Solution“ vor. Zwischen 30 und 60 Personen hörten je Vortrag zu, schrieben fleißig mit oder machten Fotos. Das Interesse spiegelte sich auch in den Gesprächen, die sich im Anschluss ergaben.
Insgesamt eine sehr professionell organisierte Messe, bei der viele Entscheider unter den Besuchern zu finden waren.

Préventica Lille #1

Préventica Lille #2

Préventica Lille #3

t&t auf der internationalen Sicherheitsmesse Préventica in Lyon

t&t ist in dieser Woche in Form von Geschäftsführer Dirk Taglieber und Astrid Selbach auf der diesjährigen internationalen Sicherheitsmesse Préventica in Lyon vertreten, um dort unser Arbeitssicherheitskonzept EVprocess®A vorzustellen. Hier einige Eindrücke vom dortigen Geschehen.

t&t auf der Préventica

t&t auf der Préventica

t&t auf der Préventica

t&t auf der Préventica

Arbeitssicherheit ist Führungsaufgabe!

Dirk Taglieber - Arbeitssicherheit ist Führungsaufgabe

Dirk Taglieber - Arbeitssicherheit ist Führungsaufgabe

Über 120 Ingenieure in Führungspositionen inklusive Vorstand folgten dem Vortrag von Dirk Taglieber bei dem diesjährigen Ingenieurbautag eines großen Bauunternehmens zum Thema „Arbeitssicherheit als Führungsaufgabe“.

„Jedes Unternehmen hat eine bestehende Arbeitssicherheitskultur, die von allen Beteiligten bewusst oder unbewusst erlebt, gesehen und gestaltet wird – ob man will oder nicht!“, betonte Taglieber. Daher wolle er die Teilnehmer zur Nachdenklichkeit einladen, an welchen Stellen oder Situationen jeder einzelne selbst im Alltag positive oder negativ-wirkende Beiträge zur Arbeitssicherheitskultur leiste.

Anhand verschiedener Beispiele veranschaulichte Dirk Taglieber, wie tagtäglich positive Sicherheitsimpulse gesetzt werden können und erklärte so mit hohem Praxisbezug die Philosophie und die in Veränderungsprozessen wie EVprocess®A angewendeten Methoden und Instrumente seines Beratungsunternehmens t&t Organisationsentwicklung.

So beschrieb er eine Auswahl von zielführenden Arbeitssicherheitssignalen wie das konsequente Ansprechen von Risiken bei den Mitarbeitern, die Einführung und regelmäßige Durchführung von Risiko-Lerngängen® oder die Behandlung von Arbeitssicherheitsthemen in Besprechungen als TOP 1.

Mit dem Fazit „Alles was positive Aufmerksamkeit auf Arbeitssicherheit lenkt, ist hilfreich und zielführend“ brachte Dirk Taglieber seine Ausführungen auf den Punkt.

Toller Erfolg für die Landesforsten Rheinland-Pfalz: Forstamt Hinterweidenthal ein Jahr ohne Unfälle mit Ausfalltag

Von unsrem Kunden Landesforsten Rheinland-Pfalz erreichte uns kürzlich die freudige Nachricht, dass im Forstamt Hinterweidenthal die tolle Leistung vollbracht wurde, ein ganzes Jahr ohne Unfall mit Ausfalltag zu arbeiten. Und dass, obwohl eine sehr große Zahl an Festmetern in der Holzernte (mit Motorsäge und Co.) geleistet wurde. In Hinterweidental haben wir in 2011 unseren EVprocess®A als Pilotprojekt eingeführt, dass er dort so positiv aufgenommen wurde und man sich bereits nach zwei Jahren mit dieser tollen Zwischenbilanz für die stetigen Bemühungen zur kontinuierlichen Weiterentwicklung der Sicherheitskultur belohnt hat.

Einen spannenden Einblick in die Wirkungsweise des EVprocess®A und den Bemühungen zum Thema Sicherheit bei Landesforsten Rheinland-Pfalz bietet der Artikel „Risiko-Lerngang® im Zentrum“, der in der Forstinfo 04/2012 erschienen ist und sich umfassend mit der Historie der Zusammenarbeit zwischen Landesforsten RLP und t&t auseinandersetzt.

Bisherige Ansätze zur Unfallprävention führen nicht mehr zu einer signifikanten Absenkung der Unfallereignisse und der unfallbedingten Ausfallzeiten bei Landesforsten. Der Träger der Unfall- versicherung im Staatswald verlangt Veränderungen. Durch führungsorganisatorische Maßnah- men sind möglicherweise deutliche Präventionseffekte zu erreichen. Eine auf Wertschätzung aufbauende Kommunikation bringt mittel- bis langfristig eine Veränderung der Unternehmens- kultur mit sich. Als Indikator für die Zielerreichung sollen die unfallbedingten Ausfallzeiten bis zum Jahr 2015 um 30% gegenüber dem Referenzjahr 2009 gesenkt werden.

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Unterweisungen in der Arbeitssicherheit… aber bitte mit Sahne. Oder: Die Kür nach der Pflicht

Unterweisungen in der Arbeitssicherheit sind Pflicht. Doch sie sind oft so trocken, wie ein ausgetrocknetes Flussbett. Um dies zu ändern, haben wir ihnen 3 Empfehlungen zusammengestellt.

Doch zunächst zur Pflicht.

Vor der Kür: Das Thema Arbeitssicherheit hat auch eine wichtige rechtliche Dimension. Wer sich formal nicht ordentlich abgesichert hat, kann leicht mit rechtlichen Folgen konfrontiert werden. Um „Freiheitsgrade“ bei den anstehenden Unterweisungen zu erlangen, braucht es ein solides Fundament. Das bedeutet, zunächst alles zu unternehmen, was nachweislich dokumentiert, dass Mitarbeiter die notwendigen Informationen zu ihrer Sicherheit erhalten haben: Hinweise verschriftlichen, unterschreiben lassen, Aushänge machen, Warnschilder aushängen, und so weiter. Hier ist unseres Erachtens nicht wichtig, ob man dies für Unfallvermeidung für effektiv hält, sondern dass man auf der formal sicheren Seite ist, von wo aus nun wirkungsvollere Wege beschritten werden können (die Kür nach der Pflicht).

Nun zur Kür:

  1. Nicht jede Unterweisung muss man selbst erfunden haben. Häufig hat man Themen, die in anderen Bereichen ebenfalls relevant sind und dort schon abgehandelt wurden. Material und methodisches Vorgehen sind schon entwickelt und können anderen zur Verfügung gestellt werden. Das will aber organisiert sein. Sinnvollerweise sollte daraus ein Wissensmanagement inklusive einer Materialbörse entstehen, das zur Schatzkiste für das ganze Unternehmen werden kann.
  2. Aus einer „Pflichtübung“ kann nur eine anregende Veranstaltung werden, wenn die Unterweiser glauben, dass es wichtig und richtig ist, auf Gefahren aufmerksam zu machen. Viele haben selbst schlechte Erfahrungen mit langweiligen und belehrenden Veranstaltungen gemacht und scheuen sich nun, ihren Mitarbeitern dasselbe zuzumuten. Gerade der belehrende Ton ist unter erwachsenen Menschen verpönt und trifft häufig auf innere rebellische Gefühle der Ablehnung. So kommen Botschaften nicht an. Es wird eine Kommunikation „auf Augenhöhe“ gebraucht, die man erst lernen muss, die aber auch in anderen Kontexten Führen effizienter macht. Zudem sollte die Führungskraft eine gute Sensibilität für Gefährdungen und Gefahrenstellen entwickelt haben. Die EVprocess®A Gefährdungsmuster sind hier gute „Hinweiser“. Mit ihrer Hilfe kann man eine „Gefährdungslandschaft“ für den eigenen Zuständigkeitsbereich erstellen. Auch „Betroffene“, die von einem eigenen Unfall (oder Beinaheunfall) berichten können, erzeugen lebensnahe Wirkung.
  3. Nicht zuletzt brauchen Meister auch Handwerkszeug beim Umgang mit Gruppen von Mitarbeitern. In der Gruppe gibt es andere Dynamiken als im Einzelgespräch. Man braucht Ideen wie man mit „Viel-Sprechern“, „Gar-nicht-Sprechern“, „Wichtigmachern“, Bagatellisierern und „Killerphrasendreschern“ umgehen kann, wie man eine Gruppe aktivieren kann und wie man einen guten Spannungsbogen hin bekommt.
    Daher sollte ein Workshop für Meister genau diese Methoden modellhaft abbilden.

VDSI-Vortrag: „Einstellungs- und Verhaltensänderung zur Arbeitssicherheit als Lernprozess in Unternehmen“

Arbeitsunfälle sind heutzutage in den seltensten Fällen rein technisch bedingt. Ihre Ursachenkette umfasst in der Regel viele Faktoren, wobei verhaltensbedingte Ursachen eine immer wesentlichere Rolle spielen. Die Reaktionen der Führungskräfte und Mitarbeiter bei verhaltensbedingten Unfällen sind vielfältig und können von Ignorierung bis hin zum Aufbau von Druck oder Sanktionen reichen, mit jeweils unterschiedlichen, aber durchaus kurzfristigen Wirkungen. Häufig lässt sich dann beobachten, dass sich Führungskräfte und Mitarbeiter eine „Scheinwelt” aufbauen, die zwar für das Management kurzfristig gut aussieht, in Wirklichkeit aber arbeiten sie nach wie vor so weiter wie zuvor. Wenn dann plötzlich ein schwerer Unfall passiert, bricht diese „Scheinwelt” in sich zusammen und die Suche nach Schuldigen beginnt. Statistiken belegen, dass heute fast 90% der Arbeitsunfälle einen verhaltensbedingten Hintergrund haben; ein Wert, der zwangsläufig die Frage aufwirft, wie und mit welchen Mitteln ein Plus an sicheren Verhaltensweisen und Zuständen in den Betrieben erreicht werden kann?

Hilfestellung bei der Beantwortung dieser Frage lieferte in ihrem Vortrag Frau Claudia Metzger von der Fa. t&t Organisationsentwicklung GbR, einem auf die Durchführung von Prozessen zur Einstellungs- und Verhaltensänderung in Unternehmen zu den Themen Arbeitssicherheit, Qualität, Effizienz und Führung spezialisierten Beratungsunternehmen mit Sitz in Hainfeld.

In vielen Betrieben stellt das Führungsmittel „Unterweisung“ die einzige Einflussnahme von Unternehmern und Führungskräften auf das sicherheitsgerechte Verhalten der Mitarbeiter dar. Schulungen und Unterweisungen gelten dabei als die wichtigsten Instrumente, dass Beschäftigte die Arbeitsschutzmaßnahmen richtig verstehen und sich sicherheitsgerecht verhalten. Dabei ist zu beobachten, dass eine immer weitere Intensivierung von Schulungs- und Unterweisungsmaßnahmen in den Unternehmen häufig nicht zu den gewünschten Erfolgen führt, da keine echten, nachhaltigen Veränderungen erreicht werden. Möchte man ständig sinkende Unfallkennzahlen erreichen, die auch halten, was sie versprechen, muss man sich primär mit einer Einstellungs- und Verhaltensänderung von Führungskräften und Mitarbeitern beschäftigen. Dies geht aber nicht so nebenbei, sondern benötigt ein strukturiertes und an der Kultur des Unternehmens orientiertes Vorgehen.

Das von der t&t entwickelte Programm „Einstellungs- und Verhaltensänderung in der Arbeitssicherheit“ (kurz „EVA“) unterstützt die Betriebe dabei, neue zieldienliche Einstellungen und sichtbare Verhaltensweisen aufzubauen, die wirklich eine positive Veränderung bei Führungskräften und Mitarbeitern bewirken und die gleichzeitig, bei entsprechendem Engagement des Betriebes, nachhaltige Wirkung zeigen. Da hierbei alle Hierarchieebenen aktiv eingebunden sind, ist es möglich, eine echte, lebendige Arbeitssicherheits-Kultur im Unternehmen aufzubauen. Dabei werden zunächst in den Betrieben die sog. förderlichen und hinderlichen Kulturelemente der bestehenden Organisation analysiert, die stets in Wechselwirkung zu einer Arbeitssicherheits-Kultur stehen. Darauf aufbauend werden betriebsspezifische, passende Ziele definiert und problematische Gewohnheitsmuster identifiziert, die in positive Zielbeschreibungen (Perspektivmuster) umgewandelt werden. Dabei können bereits vorhandene Arbeitssicherheits-Strukturen und Prozesse auf ihre optimale Zieldienlichkeit geprüft, neue entwickelt oder ergänzt werden.

Zunächst müssen also problematische Gewohnheitsmuster für die Führungskräfte und Mitarbeiter erkennbar werden, denn nur wer Verhaltensweisen und –muster, die zu Unfällen führen können, rechtzeitig erkennt, kann handeln, bevor ein Unfall passiert. Das Programm liefert hierzu eine Plattform (Gefährdungsmuster), auf der unsichere Zustände und Handlungen oder Verhaltensmuster im Verlaufe von regelmäßigen Rundgängen identifiziert und analysiert werden können und – damit auch besprechbar machen. Führungskräfte und Mitarbeiter erfahren dabei auch, was die Wahrnehmung solcher Verhaltensweisen für sie in der Vergangenheit erschwert oder gar nicht erst erlaubt hat. Die von t&t entwickelten Gefährdungsmuster verändern die Wahrnehmung im Alltag und schaffen ein neues Risiko-Bewusstsein und einen verstärkten Blick für Unfallgefahren. Von besonderer Bedeutung ist dabei die Standardisierung: Nur regelmäßig nach einem einheitlichen Muster durchgeführte Rundgänge, deren Ergebnisse wiederum regelgeleitet in die Weiterentwicklung der Rundgänge einfließen, gewährleisten eine dauerhafte Entwicklung.

Das Erfolgsversprechen der von t&t entwickelten Prozessführung basiert nicht nur auf der Verbesserung der spezifischen Kennzahlen, sondern auch auf der Entwicklung einer Lernhaltung in den Betrieben, die für Bewegung und Veränderungsbereitschaft im Unternehmen sorgt. Hier lernen Führungskräfte, Sicherheitsfachkräfte und Mitarbeiter, sich nicht von ihrer wissenden sondern von ihrer lernenden Seite zu zeigen. Bei einer (gemeinsamen) Entwicklung von sogenannten „Lernplattformen“ oder „Lernsettings“ werden die vorab als kritisch identifizierten Verhaltensweisen hinterfragt und es werden gemeinsam Zielvereinbarungen zu einem sicherheitsgerechten Verhalten definiert und getroffen. Alle Hierarchieebenen und Mitarbeiter werden dabei für Risiken (Handlungen & Zustände) sensibilisiert und aktiv in einen ständigen Lern- und Verbesserungsprozess einbezogen. Die Kultur, dass man gemeinsam nach Risiken forscht und nur gemeinsam etwas bewegen kann, wird deutlich angeregt. Gemeinsames Verständnis und Handeln (Führung und Mitarbeiter) in Arbeitssicherheit entwickelt sozusagen eine „Verantwortungsgemeinschaft Sicherheit”. Dabei ist ein Kommunikationsverhalten von Vorteil, das geeignet ist, Akzeptanz beim Gegenüber zu erzeugen, weshalb im Rahmen des vorgestellten Programms explizit am Kommunikationsverhalten der Teilnehmer gearbeitet wird.

Verhaltenswissenschaftliche Methoden und ein hoher Anspruch an Praktikabilität im Unternehmensalltag liefern ausreichend Gründe, warum eine wertschätzende und anerkennende Arbeitssicherheitskultur einer eher auf Druck basierenden Einforderung von sicherheitskonformem Verhalten vorzuziehen ist. Die Erreichung der Zielsetzung einer nachhaltigen Einstellungs- und Verhaltensänderung zur Arbeitssicherheit hängt entscheidend von der Führungskultur im betrachteten Betrieb ab. Das Programm unterstützt dabei eine moderne Führungskommunikation, um Akzeptanz für Verhaltensänderungen zu erzeugen und Grenzen eindeutig zu markieren. Dabei sind partnerschaftliches und verbindliches Führen wichtige Bausteine auch im Kontext von Arbeitssicherheit. Klare und anerkennende Kommunikation wird gelebt und fortlaufend ausgebaut. Schon vorhandenes, richtiges Verhalten wird gestärkt – die Motivation für sicheres Arbeiten wächst und wird ständig lernend thematisiert. Arbeitssicherheit erlangt als Wert eine hohe Priorität.

Nur ein gelebter, wahrnehmbarer Arbeitsschutz lässt nachhaltige Effekte erzielen und die Kultur in die gewünschte Richtung entwickeln. Hierzu braucht es Führungskräfte (aller Ebenen), die den Arbeitsschutz konkret erlebbar in ihr Führungshandeln und in ihre Führungskommunikation einbauen. Die Position der Sicherheitsfachkräfte und Sicherheitsbeauftragten wird bei der Anwendung des Programms gestärkt durch ein deutlicheres (Vor-)leben und Einfordern von sicherheitskonformem Verhalten durch die Führungskräfte. Führungskräfte und Mitarbeiter entwickeln gleichzeitig ein größeres Bewusstsein für Arbeitssicherheit – die Arbeit der Sicherheitsverantwortlichen wird aktiv angefordert. Verstöße gegen Arbeitssicherheit werden von der Unternehmensleitung und den Führungskräften zu verstehen versucht und wenn nötig deutlicher sanktioniert, sicherheitskonformes Verhalten hingegen positiv verstärkt.

Quelle: VDSI Bezirksgruppe Bergisches Land (Download im PDF-Format); Homepage: www.vdsi.de